Am Samstag fand im Falkenbergtunnel zwischen Laufach und Heigenbrücken eine groß angelegte Katastrophenschutz-Vollübung mit mehr als 500 Beteiligten statt. Das angenommene Szenario stellte die Einsatzkräfte vor besondere Herausforderungen: Ein brennender Personenzug war etwa in der Mitte des mehr als 2,6 Kilometer langen Eisenbahntunnels zum Stehen gekommen.
Grundlage der Übung war der Katastrophenschutz-Sonderplan für die Bahntunnel zwischen Laufach und Heigenbrücken. Ziel war es, die darin vorgesehenen Strukturen und Abläufe unter möglichst realistischen Bedingungen praktisch zu erproben und insbesondere das Zusammenspiel der zahlreichen beteiligten Organisationen zu trainieren.
Verantwortlich für die Durchführung war der Landkreis Aschaffenburg als Katastrophenschutzbehörde. Die Vorbereitung erfolgte maßgeblich durch die Kreisbrandinspektion Aschaffenburg. Die Übungsleitung lag bei Kreisbrandinspektor Otto Hofmann, unterstützt von Kreisbrandmeister Tobias Brinkmann.
Für die Einsatzkräfte begann die Übung um 11:45 Uhr, als der Triebfahrzeugführer des im Falkenbergtunnel zum Stehen gekommenen Personenzuges den Notruf absetzte. Beim Eintreffen der ersten Kräfte drang bereits dichter Rauch aus einer der beiden Tunnelröhren. Wo genau sich der Zug innerhalb des Tunnels befand, musste zunächst erkundet werden.
Insgesamt 61 Statisten stellten die Fahrgäste des Zuges dar. 25 von ihnen waren mit schweren beziehungsweise mittelschweren Verletzungsmustern in das Szenario eingebunden, die übrigen stellten unverletzte Betroffene dar. Künstlicher Rauch und die dadurch teilweise stark eingeschränkte Sicht sorgten für realitätsnahe Bedingungen.
Von beiden Tunnelportalen aus gingen die Einsatzkräfte parallel in den Falkenbergtunnel vor. Neben der Erkundung und dem Erreichen des Zuges standen die Brandbekämpfung sowie die Suche und Rettung der Fahrgäste im Mittelpunkt. Ein Teil der Betroffenen konnte sich selbstständig aus dem Gefahrenbereich begeben, andere waren auf die Unterstützung der Einsatzkräfte angewiesen.
Eine wichtige Rolle spielte dabei die zweite, vom angenommenen Brand nicht betroffene Tunnelröhre. Sie ist Bestandteil des Rettungskonzeptes und kann als Flucht- und Rettungsweg genutzt werden, sofern die Lage dies zulässt. Im Übungsszenario blieb diese Röhre rauchfrei und konnte entsprechend für die Rettungsmaßnahmen genutzt werden. Über die Querverbindungen gelangten Betroffene und Einsatzkräfte in die sichere Tunnelröhre und von dort weiter ins Freie.
Außerhalb des Tunnels wurden die geretteten Personen an die Rettungs-, Sanitäts- und Betreuungskräfte übergeben, gesichtet und entsprechend ihrer Verletzungsmuster weiter versorgt.
Die beiden eingleisigen Röhren des Falkenbergtunnels sind jeweils mehr als 2,6 Kilometer lang und über insgesamt fünf Querverbindungen miteinander verbunden. Daraus ergeben sich für die Einsatzkräfte besondere Anforderungen, die sich deutlich von einem Einsatz an einer frei zugänglichen Schadensstelle unterscheiden.
Personal und Ausrüstung müssen über große Entfernungen bis zur Einsatzstelle gebracht werden, während gleichzeitig die Rettung von Personen in die entgegengesetzte Richtung organisiert werden muss. Insbesondere für die unter Atemschutz eingesetzten Feuerwehrkräfte stellen die langen Wege in Verbindung mit eingeschränkter Sicht eine hohe körperliche Belastung dar. Auch Orientierung und Kommunikation spielen unter diesen Bedingungen eine entscheidende Rolle.
Für einen möglichen Schadensfall verfügt der Falkenbergtunnel über verschiedene Sicherheitseinrichtungen. Dazu gehören unter anderem eine feste Fahrbahn, Fluchtwegbeleuchtung, Handläufe und Notrufmöglichkeiten. Für die Brandbekämpfung steht außerdem eine eigene Löschwasserversorgung zur Verfügung.
Die Einsatzmaßnahmen liefen parallel von beiden Tunnelportalen aus an. Auf beiden Seiten mussten entsprechende Führungs-, Rettungs- und Versorgungsstrukturen aufgebaut werden.
Bereitstellungsräume dienten dazu, die große Zahl nachrückender Einsatzkräfte und Fahrzeuge zu sammeln und entsprechend dem jeweiligen Bedarf gezielt einzusetzen.
Eine zentrale Funktion übernahm die Örtliche Einsatzleitung in Laufach. Dort wurden die Informationen aus den verschiedenen Einsatzbereichen zusammengeführt, die Lage bewertet und die Maßnahmen der unterschiedlichen Organisationen aufeinander abgestimmt.
An der Vollübung beteiligt waren Feuerwehren aus Stadt- und Landkreis Aschaffenburg, die Kreisbrandinspektion, Rettungs-, Sanitäts- und Betreuungsdienste, die Polizei, die Deutsche Bahn, die Integrierte Leitstelle Bayerischer Untermain sowie das Landratsamt Aschaffenburg. Auch die weitere Patientenübergabe und klinische Versorgung waren Bestandteil des Übungsgeschehens.
Die Übung endete für die angenommenen Verletzten nicht mit dem Transport aus dem Tunnel. Auch die weitere Versorgung wurde praktisch erprobt – allerdings mit unterschiedlichen Schwerpunkten.
In der Asklepios Klinik Seligenstadt im Kreis Offenbach durchliefen die zugewiesenen Patienten entsprechend ihrer dargestellten Verletzungsmuster den gesamten vorgesehenen Weg durch die Notaufnahme. Von der Patientenübernahme über die Untersuchung bis hin zur Behandlung wurden damit auch die klinikinternen Abläufe praktisch erprobt. Ein besonderer Dank gilt der Leitenden Ärztin der Zentralen Notaufnahme, Dr. med. Nicole Koch, und ihrem Team für die Vorbereitung und Durchführung dieses Übungsteils.
Das Klinikum Aschaffenburg-Alzenau erprobte dagegen gezielt die Schnittstelle bei der Übergabe vom Rettungsdienst an die Klinik. Hierfür wurde bei der Feuerwehr Haibach eine Übungsnotaufnahme eingerichtet, in der die Patientenübergabe trainiert wurde. Die weitere Behandlung innerhalb einer Notaufnahme war dort nicht Bestandteil der Übung. Ein besonderer Dank gilt Prof. Dr. Zausig und seinem Team für die Vorbereitung und Unterstützung bei diesem Teil der Vollübung.
Der Vollübung gingen rund zehn Monate Planung und Vorbereitung voraus. Neben dem eigentlichen Szenario mussten unter anderem die Statisten und ihre Verletzungsmuster koordiniert, zahlreiche Organisationen eingebunden, Schiedsrichter und Übungsbeobachter eingeteilt sowie umfangreiche organisatorische und logistische Vorbereitungen getroffen werden.
Eine besondere Möglichkeit für die Durchführung ergab sich durch die ohnehin bestehende Sperrung der Bahnstrecke aufgrund von Bauarbeiten an einem Bahnhof. Dadurch konnte ein realer Personenzug in das Szenario eingebunden werden, ohne zusätzlich in den regulären Bahnverkehr eingreifen zu müssen. Für die beteiligten Organisationen bot sich damit eine seltene Gelegenheit, die vorgesehenen Abläufe unmittelbar im Falkenbergtunnel und unter möglichst realitätsnahen Bedingungen zu trainieren.
Nach mehreren Stunden intensiven Übungsgeschehens wurde die Vollübung um 17:26 Uhr beendet.
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Ein erstes positives Resümee konnte bereits unmittelbar nach dem Übungstag gezogen werden. Die detaillierte fachliche Auswertung beginnt jedoch erst jetzt.
Rund 15 Schiedsrichter sowie weitere Übungsbeobachter begleiteten die verschiedenen Einsatzbereiche und dokumentierten ihre Beobachtungen. Diese werden in den kommenden Wochen und Monaten gemeinsam mit den Erfahrungen der eingesetzten Führungskräfte und beteiligten Organisationen zusammengetragen und ausgewertet. Dabei soll insbesondere betrachtet werden, welche Abläufe sich bewährt haben und an welchen Stellen gegebenenfalls Anpassungsbedarf besteht.
Die gewonnenen Erkenntnisse sollen anschließend in die weitere Einsatzplanung einfließen und dazu beitragen, bestehende Abläufe weiterzuentwickeln und die Zusammenarbeit der beteiligten Organisationen für einen möglichen Ernstfall weiter zu verbessern.
Text: Fabien Kriegel, KBI Aschaffenburg
Fotos: Lukas Lang








